heel and toe

Hier riecht es nach verbranntem Gummi und heißen Bremsen. Alles rund um den Einsatz auf der Strecke!
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Vesparider
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Flexi_Teufels hat geschrieben: 06 Mai 2022, 14:24
In allen von mir in meinen bisherigen Beiträgen geposteten Videos wird mit Kupplung runtergeschaltet. Schaltvorgang und Zwischengas finden bei getrennter Kupplung statt. Erst danach wird wieder eingekuppelt. Woran sollen die Komponenten im Getriebe also merken, dass sie nun möglichst spanfrei zueinander finden sollen? Am Geräusch des hochdrehenden Motors? Wenn die Technik offensichtlich mit der Synchronisierung nichts zu tun haben kann, was könnte dann ein Grund dafür sein, dass einige der besten Autofahrer aller Zeiten diese Technik im Grenzbereich nutzen? @JW, bitte nochmal helfen und erklären. Danke. Ist ein super Forum.
Also, vielleicht ist diese Erklärung behilflich.
Bitte aufmerksam durchlesen!

Als erstes musst du dir merken: Zwischengas mit getretener Kupplung hat keinen Einfluss auf die Synchronisierung der Gänge im Getriebe.

Zweitens - Kupplung treten, Zwischengas und gleichzeitig runterschalten:
Das sorgt dafür dass dein Motor auf das Drehzahlniveau des kleineren Ganges kommt und so weniger Drehzahlanpassung (in diesem Fall Bremsmoment) auftritt.

Drittens - "Spanfrei schalten":
Ein Dogbox-Getriebe hat keine Synchronisierung. Hier musst du die Gänge schnell reinhauen!
Machst du das zu langsam und zaghaft dann krachts im Getriebe.

Viertens- Sequentiell:
Schaltung wie beim Motorrad, Aufbau wie beim Dogbox-Getriebe. Der einzige Unterschied ist dass die Gänge nur nacheinander (sprich in Sequenz) geschaltet werden können.
Hier könnte man es auch durch zu langsames Schalten krachen lassen, da aber die Mechanik fast Idiotensicher ist kommt das selten vor. Auch hier kannst du (sollst du) die Gänge reinhauen.

Fünftens-Schalten mit Kupplung:
Ich nehme an du hast den Führerschein, und damit auch gelernt, wie man ein Auto in Gang setzt.
Hier wird, egal welches Getriebe du hast, zum Schalten gekuppelt. Ganz normal.

Sechstens-Hochschalten ohne Kupplung:
Dafür brauchst du mindestens ein Dogbox-Getriebe oder Sequenziell!
(Für alle die jetzt Klugscheißen wollen, ja ein ausgeleiertes Käfergetriebe kann das auch, steht hier aber nicht zur Debatte!)

Jetzt wirds etwas komplizierter. Bei dem Dogbox oder dem sequentiellen Getriebe sind die Gangräder und deren Klauen so massiv ausgelegt und konstruiert, dass die spontane Beschleunigung oder Abbremsung der Gangräder beim Gangeinlegen nichts ausmacht. Damit aber der Gang auch reingeht haben die Schaltklauen gegeneinander etwas Spiel.
Ist der Gang einmal eingelegt sorgt auch eine Schräge Fläche an den Schaltklauen dafür, dass der Gang nicht einfach "raushüpft".

Umkehrpunkt dabei ist, man kann den Gang unter Last (Sei es Schub als auch Zug) auch nicht einfach trennen. Das Getriebe muss ohne Last sein!!!

Um diese Lastfreiheit zu erreichen kann man:
1. Vom Gas gehen
2. Zündung/Spritzufuhr unterbrechen
3. Wie Joachim ein Pornogetriebe mit Paddleshift und Getriebesteuergerät, dass das alles hochpräzise allein macht, verwenden.

Siebtens-Runterschalten ohne Kupplung:
Hier brauchst du auch ein Dogbox oder sequentielles Getriebe!

Runterschalten ist noch etwas schwieriger als hochschalten, da du meist auch gleichzeitig bremst -> Last auf dem Getriebe.
Hierbei muss das Getriebe ebenfalls Lastfrei sein um den Gang aus und einlegen zu können.

Das kann man damit erreichen:
1. Ein feiner Gasstoß während dem Schalten (der muss seehr präzise sein sonst krachts gewaltig).
2. Ein Werkseitig eingebauter Schaltautomat mit Blipperfunktion (Motorrad)
3. Wie Joachim ein Pornogetriebe mit Paddleshift und Getriebesteuergerät, dass das alles hochpräzise allein macht, und zusätzlich ebenfalls einen Blipper enthält, verwenden.

Erklärung Funktion Blipper: Ein exakt berechneter Gasstoß der für die Dauer des Schaltvorgangs das Getriebe Lastfrei macht.

Persönliches Resümee:

Wenn du ein Rennfahrer bist, konzentierst du dich auf deine Linie und nimmst das Bremsmoment beim Schalten in Kauf um eine saubere Linie zu fahren.

Bist du ein Blümchenpflücker wie ich, der gemütlich rumeiert, dann kannst du Hacke-Spitze üben und Perfektionieren, denn warum fahren wir denn diese Kisten?
Weils Spaß macht und Freude bringt.

Das einzige Problem was ich dabei habe (und da geht es sicher nicht nur mir so) ist, dass ich den Bremsdruck durch Heel-Toe nicht konstant halten kann und somit das alles eher noch nicht so gut funktioniert. Aber Übung macht den Meister. Und vielleicht bin ich in ein paar Jahren soweit dass es mal klappt.

Solltest du jedenfalls mehr über KFZ-Technik lernen wollen dann kann ich dieses Buch empfehlen, das ist die Ausbildungslektüre für den KFZ-Beruf:
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ThiloHarich
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