FORD OHC: welche Nocke ist es...??

Benutzeravatar
suicide jockey
Beiträge: 10259
Registriert: Fr 20. Mai 2005, 10:16
Fahrzeug: -2015: T&J Hornet 2,0 / 2009-> Lotus 7 S2, 1964 / Daily: Toyota GT86, 2016

Re: FORD OHC: welche Nocke ist es...??

Beitrag von suicide jockey » Do 14. Feb 2019, 09:04

Moin allerseits ...
Das Tauschen von Einzelkomponenten ist leider beim Nockentrieb immer noch verbreitet und selbst Kolben werden einzeln getauscht "weil die Bohrung ja übereinstimmt"

Die beteiligten Reibpartner des Ventiltriebs sind aufeinander eingelaufen, haben sich also im Betrieb aneinander angeglichen. Bei Arbeiten am Ventiltrieb müssen intakte Teile immer gepaart bleiben.

Eine neue Nockenwelle erfordert beim OHC auch immer neue Kugelbolzen, Schlepphebel, eigentlich auch Federn und die entsprechenden Kits beinhalten alle erforderlichen Teile, inkl. passender Federn, auf die NW abgestimmt.
Auch entscheidend: Neue NW mindestens 15-20min bei ca. 1500-2000u/min einlaufen lassen, ohne den Motor zwischendurch abzustellen. Auch das wird immer wieder vergessen!!

Selbst die Ventilkeile sollten überprüft, mit dem Ölstein gratfrei gemacht, oder beim geringsten Zweifel gegen qualitativ einwandfreie Neuteile getauscht werden. Ich kann es nur immer wieder sagen: Der OHC ist ein robuster Klotz, Arbeiten am Motor sind (wie bei allen Motoren) immer Uhrmacherarbeit!

Insbesondere bei sehr extremen NW, z.B der (imho für Strassenbetrieb zu scharfen) GP1, darf auch nicht einfach ein Nockenwellenkit verbaut werden, zusätzlich muss (!) die Ventiltriebgeometrie geprüft werden. In meiner Signatur ist dazu ein Link, deshalb schreibe ich das nicht alles nochmal hier hin ... (OHC-Info Ventiltrieb)

Meine Empfehlung (vermutlich hat Andreas ähnliches geraten):
  • Kopf zerlegen, ggf. nacharbeiten (Ventile einschleifen, etc., das ganze Programm) und Verbau von Bleifrei-Sitzringen am Auslass, oder direkt einen anderen Bleifrei-Kopf verbauen
  • Verbau eines tauglichen Nockenwellen-Kit. Dabei die Angaben von Dieter (Mops) beherzigen. Scharfe NW bringen bei Serienverdichtung meist weniger Leistung/Drehmoment untenherum, als die Ford Serienwelle!!
  • Bei Aufbau des Kopfes die Ventilgeometrie genau beachten!
  • Das rechtliche kann ich schlecht beurteilen, aber dem VK die anfallenden Kosten in Rechnung stellen, kann nicht schaden ...
Die Auswahl der Nockenwelle wird immer wieder völlig untauglich vorgenommen! Eine taugliche NW ist immer Teil eines Gesamtkonzepts und fällt in das nutzbare Drehzahlband des Motors!

Beispiel: Der Motor mit Serienkurbeltrieb kann gefahrlos bis etwa 6500u/min gedreht werden. Verbaut man jetzt eine NW, deren "Power Band" von 4000 - 8000u/min geht, kommt unterhalb 4000u/min sehr wenig (bis nichts bei Renn-NW), dann tritt mich das Auto in den Arsch, aber bei 6500u/min muß ich schalten, weil der Motor sonst über kurz oder lang Brocken kotzt.
Tolle Wurst, nutzbares Drehzahlband "erfolgreich" auf 2500u/min reduziert und untenrum weniger Leistung/Drehmoment, als Serie, dabei auch noch eine beschissene Charakteristik ...

Der selbe Motor mit z.B. einer FR31/FR32 (Power Band a 1500-7000u/min) zieht ab 1500u/min sauber durch bis 6500u/min. Nutzbares Drehzahlband erfolgreich auf 5000u/min gebracht, satter, sauberer Durchzug mit ordentlich Drehmoment, kultivierter Lauf, weniger Verbrauch, alles richtig gemacht ...

Wenn man Straßenbetrieb anstrebt, sind viele Rallye-/Renn-NW also völlig untauglich und z.T. sogar kontraproduktiv!
@bigtuni
Kannst Du die bekannten Eckdaten Deines Motors (nicht geschönte Märchenwerte des VK) liefern?
(Verdichtung, Gemischaufbereitung, nachweisbare Änderungen am Kurbeltrieb, wie z.B. Stahlpleuel, leichtere Kolben, ...)
Das wäre für die Komponentenwahl wirklich hilfreich ...


Grüße aus Soest, Frank Schur
PN-capable ;-)
My Seven is a family member accidently living in the garage ...
Reifen- und Getrieberechner
OHC-Info
OHC-Info Ventiltrieb
Fahrzeug-Karte

Benutzeravatar
Haiopai1982
Beiträge: 2567
Registriert: So 21. Feb 2010, 21:27
Fahrzeug: VM 77 Bj.'92, KOMO-TEC Fahrwerk aber Dämpfer von GS, 2,1L OHC, ca. 180PS powert by RS Andreas

Re: FORD OHC: welche Nocke ist es...??

Beitrag von Haiopai1982 » Do 14. Feb 2019, 11:40

Du hast den VM alles i.O. gekauft?
Dir wurde nicht gesagt, dass der Motor erst kurz vorher in Stand gesetzt wurde?
Und wenn doch, wurde dir gesagt, was warum gemacht wurde?


Nicht dran fummeln wenn et lüppt!

Grüße aus dem Norden, Bernd

PN fähig! ;-)

bigtuni
7-IG Mitglied
Beiträge: 64
Registriert: Mo 8. Okt 2018, 12:34

Re: FORD OHC: welche Nocke ist es...??

Beitrag von bigtuni » Do 14. Feb 2019, 21:54

............tja, auf meine Nachfrage während der Fahrt und später nochmals wurde erklärt, dass die Schlepphebel gerade getauscht wurden und dass laute Klackern ein normales mechanisches Geräusch seien.....defekte NW wurde nicht erwähnt........da mir das damals schon nicht gefiel habe ich ja nachgeforscht und dank Forum und aufmerksamer Beobachter so einiges erfahren. Mein Email an den Verkäufer ist raus........mal sehen was kommt. Notfalls freut sich ein Anwalt über Arbeit.



bigtuni
7-IG Mitglied
Beiträge: 64
Registriert: Mo 8. Okt 2018, 12:34

Re: FORD OHC: welche Nocke ist es...??

Beitrag von bigtuni » Do 14. Feb 2019, 22:02

@ Frank
Danke für die ausführliche Lehrstunde !

An dem Motor wurden in den Jahren seit 1992 sehr viel gemacht.
Übersicht gefällig..........??

1992 bei Eichberg
Einlassventil 44,5
A-Ventil 38mm
Schlepphebel HD Ausführung
Ventilfedern HD

1993 bei Eichberg
Motorblock-arbeiten
Sportkolben Mahle
Kurbelwelle Schwungrad feingewuchtet
Pleuel erleichtert, neu gekauft

1994
Weber DCOE 45 Vergasergestänge gekauft
Prüfstandslauf 187 PS bei 7000rpm (wers glaubt)

1999
Ventildeckel erneuert, Dichtung

2003
Benzinpumpe Mitsuba

2006 bei Eckernkamp
Motorblock abdrücken / honen / planen
Zylinderkopf planen
Krümmer planen, Gewinde erneuern
neue Ölwanne , Zahnriemen, Spannrolle
Simmerring
Wellendichtung

2007
neue Pleuellager, Ventilschaftdichtung, Anlaufscheiben
Hauptlager
Schlepphebel

2010
Motor OHC Gußkennung NE F WE 31262 Eng. TL20H-OHV 8v
Vergaser repariert da defekt
Kopf-Teile gekauft bei Timms
E-Ventil 44,5
A-Ventil 38,10 FIA Gr I
Ventilführungen instandgesetzt, Ventilsitze geschliffen, Schaft abgedichtet
neue 45er Weber DCOE Synchronhebel Gestänge

2016
Lichtmaschine neu
Reifen Toyo

2018
Zahnriemensatz neu
SPAL Lüfter
Schlepphebel ersetzt



Benutzeravatar
Haiopai1982
Beiträge: 2567
Registriert: So 21. Feb 2010, 21:27
Fahrzeug: VM 77 Bj.'92, KOMO-TEC Fahrwerk aber Dämpfer von GS, 2,1L OHC, ca. 180PS powert by RS Andreas

Re: FORD OHC: welche Nocke ist es...??

Beitrag von Haiopai1982 » Do 14. Feb 2019, 23:48

Also wenn das alles an dem Kopf und Rumpf gemacht wurde, und dann wirklich ein Ventil eingelaufen ist, wurde da aber schon beim Aufbau was falsch gemacht!
Das sieht man leider erst alles, wenn man den Kopf runter genommen hat!

Also gilt es jetzt raus zu bekommen, wie der wirkliche Zustand des Kopfes ist.


Nicht dran fummeln wenn et lüppt!

Grüße aus dem Norden, Bernd

PN fähig! ;-)

Benutzeravatar
suicide jockey
Beiträge: 10259
Registriert: Fr 20. Mai 2005, 10:16
Fahrzeug: -2015: T&J Hornet 2,0 / 2009-> Lotus 7 S2, 1964 / Daily: Toyota GT86, 2016

Re: FORD OHC: welche Nocke ist es...??

Beitrag von suicide jockey » Fr 15. Feb 2019, 01:47

Der alte Herr Eichberg verstand sein Handwerk und der Ur-Motor war schon ein Sahnestück. Die Prüfstands-PS könnten dann durchaus im Rahmen des Möglichen liegen. In der Eichberg-Konzeption war das ein schönes Gesamtpaket!

Beim 2010 offenbar erneuerten Block deutet jetzt leider nichts an, ob die Schmiedekolben, evtl. Stahlpleuel und ggf. Stahl-KW des Ur-Motors wieder/neu verbaut wurden.

Nach 2010 passierte dann praktisch nur noch KKKK ... (KleinKinderKrümelKacke) Das bisschen "Wartung" ist für einen Sportmotor so gut wie nichts ... Das ist sch...ade.

Leider ist 2018 wohl nur ein Schlepphebel ersetzt worden (stammt aus gewöhnlich gut unterrichteter Quelle) und die eingelaufene NW verblieb im Motor, zudem wurde im Vorfeld die Wartung wohl komplett ausgesetzt. Also dürften alle Teile des Ventiltriebs fratze sein und sehr wahrscheinlich ist auch der schöne Eichberg-Kopf (Ventilführungen, etc.) dahin. Das ist richtig sch...ade ...

Was macht man, wenn man den Motor derart hingerichtet hat? Man verkauft die ganze Tragik an einen Ahnungslosen ... ganz feine Art ...

Beste Art der Reparatur: Kopf runter, Block genau prüfen (ich würde auch den genauestens vermessen), neuer Bleifreikopf (wobei genau geprüft werden sollte, ob genügend Platz für Sitzringe ist), sauberes Porting, Verdichtungserhöhung, komplettes NW-Kit, Ventiltrieb ggf anpassen (Geometrie) ... Allein der Kopf wird bei einem Tuner mit rund 2000 - 3000+ Euro vergütet werden müssen ... Vermutlich kommen bereits weitere Arbeiten am Block hinzu.

Da musst Du jetzt einen finden, der Bock auf die Arbeiten hat, ein "wenig" Geld in die Hand nehmen, denn das ist viel Arbeit!


Grüße aus Soest, Frank Schur
PN-capable ;-)
My Seven is a family member accidently living in the garage ...
Reifen- und Getrieberechner
OHC-Info
OHC-Info Ventiltrieb
Fahrzeug-Karte

bigtuni
7-IG Mitglied
Beiträge: 64
Registriert: Mo 8. Okt 2018, 12:34

Re: FORD OHC: welche Nocke ist es...??

Beitrag von bigtuni » Sa 16. Feb 2019, 22:51

Wahre und weise Worte Frank :!:
Bis dato nix vom Verkäufer auf mein Email gehört.
RA kontaktiert.
Tja, wird wohl noch spannend werden. :cry:



Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste